Buchvorstellung: Der japanische Liebhaber

Der japanische LiebhaberDer japanische Liebhaber

Isabel Allende

336 Seiten

Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-42496-4

 

Der japanische Liebhaber erzählt die Lebensgeschichte der Alma Mendel, die als junge Jüdin in Polen lebend von ihren Eltern nach San Francisco zu ihrer Tante und ihrem Onkel Belasco geschickt wird, um dort dem Zweiten Weltkrieg zu entfliehen. Sehr schnell baut Alma bereits eine enge Beziehung sowohl zu ihrem Cousin Nathaniel als auch zu dem Gärtnersohn Ichimei auf.
Der japanische Liebhaber startet bereits mit einem interessanten Aufbau und beginnt zunächst in der Gegenwart mit der Erzählung der alten Alma Belasco. Diese zieht entgegen dem Willen ihrer Familie, in die Seniorenresidenz Lark House ein. Aufgrund ihres gesellschaftlichen Status und ihrem hohen Ansehen, stellt die alte Dame schon bald darauf die Altenpflegerin Irina als ihre persönliche Assistentin ein. Neugierig bezüglich der geheimnisvollen Kurzausflüge, die die alte Dame immer mal wieder unternimmt und der mysteriösen Briefe, die Alma erhält, versuchen Irina und ihr Enkel Seth hinter Almas Geheimnis zu kommen. Kann sich dahinter vielleicht eine heimliche Affäre erahnen?

Die fesselnsten Momente in diesem Buch waren für mich die Kapitel, in denen die alte Alma mit ihrer Reisetasche für ein paar Tage verschwindet und Irina und Seth herauszufinden versuchen, was sie in dieser Zeit wohl macht, um Almas Geheimnis zu lüften. Alma hat mir als alte Frau sehr gut gefallen. Die Art und Weise wie sie zu Beginn in Lark House einzog, fand ich sehr amüsierend, da Alma doch nicht so orthodox wirkte, wie es ihre Familie gerne hätte. So ist es ihr auch egal, was die Leute von ihr und ihrer Familie denken und macht einfach ihr Ding. In den Rückblenden finde ich die Alma in jungen Jahren jedoch zunehmend anstrengend und auch ihre naiven Einstellungen und Erwartungen in ihrer Collegezeit finde ich sehr egoistisch und verzogen. Besonders kommt dies jedoch in einer ihrer folgeschwersten Entscheidungen zur Geltung, wodurch ich ein kleines persönliches Problem mit ihr hatte.
Am besten hat mir in diesem Buch jedoch Nathaniel gefallen. Denn Nathaniel ist nicht nur ein unglaublich angenehmer Charakter, sondern hält auch noch einige überraschende Wendungen für die Geschichte bereit, sie ich so nicht erwartet hätte. Er ist der Typ Mensch, auf den man sich immer verlassen kann und der trotz seiner unerwarteten Geheimnisse eine sehr sympathische Person ist. Obwohl der Leser bereits von Anfang an weiß, dass er zum Zeitpunkt der Geschichte schon gestorben ist, haben mich die Umstände seines Todes wirklich sehr berührt.
Auch Irina und Seth waren für mich zwei äußerst liebenswerte Charaktere, zu denen ich obwohl sie eigentlich nur Nebenfiguren waren, eine enge Bindung aufbauen konnte. Ich konnte mit ihnen mitfühlen und mitleiden, wodurch sie mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Ich habe eine andere Dreierkonstellation erwartet, als ich das Buch begonnen hatte, doch was ich dann letztendlich bekommen habe, hat mir viel besser gefallen. Das Ende hatte für mich jedoch eine etwas unrealistische Stelle im Krankenhaus, die ich irgendwie unpassend fand. Ich denke, das hätte man auch anders lösen können. Allerdings vermute ich, dass die Autorin dem Leser nicht zu viel voraus nehmen wollte. Insgesamt denke ich aber, dass dieses Buch eine lesenswerte Geschichte für alle Fans von Familien- und Lebensgeschichten ist, die dazu noch einen realen historischen Hintergrund hat, ohne dabei jedoch zu geschichtlich zu werden.

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