Buchvorstellung: Truthahn, Mord und Christmas Pudding

Truthahn, Mord und Christmas PuddingTruthahn, Mord und Christmas Pudding

Marlies Ferber

317 Seiten

Deutscher Taschenbuch Verlag

ISBN: 978-3-423-21607-4

 

Der neuste und letzte 0070 ist nun erschienen und ich konnte ihn bereits lesen. Bei Sheila und James steht nach einem ereignisreichen Jahr nun Weihnachten vor der Tür. Während Sheila schon an ihren Plänen für das Fest feilt, freut sich James eigentlich auf ein ruhiges bedächtiges intimes Zusammensein mit ihr. Doch dies bleiben nicht ihre einzigen Sorgen, denn es soll in Folge eines Resozialisierungsprojekts für ehemalige Strafgefangene ein Theaterstück aufgeführt werden und Sheila will James unbedingt überreden mitzumachen. Dann taucht auch auf einmal ein alter Jugendfreund auf und nistet sich bei Sheila ein. Wenn dies nicht schon genug wäre, wird Sheilas gute Freundin Rosalind auf dem Friedhof erschlagen. James kämpft nun auf mehreren Fronten. Während er versucht den Mord auf eigene Faust aufzuklären, muss er sich nun auch noch mit Sheilas ganzer Sippe herumschlagen und schon bald merkt er, dass es der Unbekannte eigentlich auf Sheila abgesehen hat und er nun alles versuchen muss, um sie zu schützen.

Mir hat auch der letzte Teil der Reihe wieder gut gefallen. Ich hatte meinen Spaß mit dem ehemaligen SIS Agent in Ruhestand zu begleiten und das Rätsel zu entwirren. Besonders die Weiterentwicklung der Beziehung von James und Sheila zu einander war ein echtes Highlight der Geschichte. Die ganzen Kleinigkeiten, an denen man sehen konnte wie sehr sich ihr Verhältnis vertieft hat, haben hat mir persönlich besonders gut gefallen.  In diesem Teil hat mir leider das aktive Miträtseln gefehlt. Es gab im ganzen Buch einfach sehr wenig Anhaltspunkte für den Leser, um den Mord und die Zusammenhänge mit Sheila zu lüften und man konnte meistens nur abwarten und auf die Auflösung warten. Trotzdem hatte ich meinen Spaß an den vielen unterhaltsamen oder auch spannenden Szenen, die durch ihre sehr greifbaren Charaktere erst richtig zur Geltung gekommen sind.

Die humorvolle Krimiserie sind richtige Wohlfühlbüchern für mich. Sie bringen immer wieder Abwechslung durch sehr unterschiedlich gewählte Themen und somit auch Settings. So kann der Leser mit den Protagonisten eine Reise nach China unternehmen, auf einem Kreuzfahrtschiff in See stechen oder in Groß Britannien Weihnachten feiern. Ich finde es sehr schade, dass die Reihe nun abgeschlossen ist, denn James, Sheila und sogar Phyllis sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich hätte sie noch endlos weiter verfolgen können.

vier

Buchvorstellung: Ehre

ehre2Ehre

von Elif Shafak

525 Seiten (gebunden)

kein und aber Verlag

ISBN: 978-3-0369-5676-3

In den 40er Jahren werden die Zwillingsschwestern Pembe und Jamila in eine Familie eines kleinen kurdischen Dorfs in der Nähe von Istanbul hineingeboren. Sie wachsen unter sieben weiteren Schwestern auf nachdem ihre Mutter bei der Geburt ihres neunten Kindes verstarb. Pembe heiratet später, wandert mit ihrem Ehemann Adem nach London aus und bekommt drei Kinder, während Jamila unverheiratet bleibt und ein Einsiedlerleben als Hebamme in der Türkei führt. Die starke Verbundenheit ihrer Kindheit bleibt jedoch weiterhin bestehen. Der Stein wird ins Rollen gebracht als sich Adem in eine Tänzerin verliebt, für sie seine Familie verlässt und Pembe Elias, mit seiner offenen, verständnisvollen und gefühlvollen Art, kennenlernt und sie sich näherkommen.

In diesem Buch geht es um verwurzelte Traditionen in einer islamisch geprägten Gesellschaft, die kaum Platz für Liebe und Selbstverwirklichungen lässt und den Einfluss auf das Leben einer ganzen Familie. Sie werden von diesen alten Werten geprägt, gleichzeitig versuchen sie sich aber auch in die westliche moderne Welt einzuleben, was ihnen nicht so richtig gelingt.  Selbst die teils in England geborenen Kinder fühlen sich hin und her gerissen, wie zwischen zwei Stühlen, und haben es schwer ihren Platz zu finden. Jeder der drei Geschwister geht damit auf seine eigene Art und Weise um. Iskender fühlt sich zum neuen Familienoberhaupt berufen, ist mit dieser Situation jedoch überfordert. Esmas große Träume sind es Schriftstellerin zu werden und sich für die Menschenrechte einzusetzen, gleichzeitig fühlt sich im Zweispalt, als gehöre sie nicht zu der einen Seite aber auch nicht zu der anderen, dabei  strebt sie danach einfach beides gleichzeitig zu sein zu können. Diese Zweiteilung manifestiert sich bei ihr sogar physisch, was auch sehr einprägsam beschrieben wird. Yunus fühlt sich zu der Punkerin Tobiko hingezogen, die mit ihrer Gruppe aus Hausbesetzern ein selbstbestimmtes  Leben außerhalb der Gesellschaft führt.

Der Versuch der Erfüllung der traditionellen Männer- und Frauenrollen macht dabei fast alle Personen unglücklich und endet schließlich in einer so schweren Tat wie dem Ehrenmord. Es wird nach keiner selbstwussten und  selbstbestimmend lebenden Frau verlangt, sondern nach einer aufopfernden tugendhaften, die nie das Wort erhebt. Ein Mann muss strak sein, wird dafür wird nie in Frage gestellt und wenn er sich Fehltritte leistet wird darüber geschwiegen. Die Erwartungshaltung an Männer und Frauen kann aber immer weniger erfüllt werden und kollidiert mit den Entwicklungen in der westlichen Gesellschaft.

Besonders gut ist der Autorin der tiefere Einblick in die vielen verschiedenen beteiligten Personen gelungen, die sie dem Leser durch die ständig wechselnden Perspektiven nahebringt. So lernt man die Charaktere viel intensiver kennen und erlangt ein umfassenderes Gesamtbild, wobei man sehr gut nachvollziehen kann aus welchen Intentionen heraus wie sich die Situation so zuspitzen konnte.

Obwohl sehr viele Personen in dem Buch vorkommen sind die meisten Charaktere gut und greifbar skizziert, nur Elias war für mich etwas nichtssagend. Ich konnte auch die aufkeimende Beziehung zwischen ihm und Pembe nicht wirklich gut nachvollziehen, weil ich nicht verstanden habe, warum gerade sie ihn so fasziniert und beeindruckt hat oder was er in ihr sieht, aber dies ist mein einziger Kritikpunkt an der Handlung.

Mich hat dieses Buch sehr mitgerissen. Die Autorin hat einen wundervollen Schreibstil: nicht zu laut, immer auf den Punkt und trifft dabei immer den richtigen Ton. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Mit einem kleinen Abzug gebe ich dem Buch 4,5 Sterne.

vierkommafünf