Buchvorstellung: Ein Schmetterling im November

Ein Schmetterling im NovemberEin Schmetterling im November
Audur Ava Olafsdottir
356 Seiten
Suhrkamp Verlag
ISBN: 978-3-458-17581-0

 

Die Protagonistin des Buches wird dem Leser als 33-jährige verheiratete kinderlose Frau vorgestellt, die sechs Sprachen beherrscht und als Dolmetscherin arbeitet. Ihr Name wird dem Leser nicht verraten. Zu Beginn ist sie auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, mit dem sie Schluss machen will. Aber es kommt anders als gedacht. Er macht mit ihr Schluss, da sie sich nicht von ihrem Mann trennen will. Als sie dann nach Hause kommt, offenbart ihr Ehemann, dass er seit Monaten ebefalls eine Affäre hat. Er will sich von ihr scheiden lassen, um mit seiner schwangeren Freundin zusammen sein, die bald schon ein Kind von ihm erwartet.

Die Hauptcharakterin ist an einem Scheidepunkt in ihrem Leben angekommen. Sie entschließt sich eine Reise machen, soweit ihr Plan. Neben ständigen unangekündigten Besuchen ihres Noch-Ehemannes, erzählt ihr eine Wahrsagerin, dass sie u.a. im Lotto gewinnen wird und ihren perfekten Mann treffen wird, wenn drei Tiere gestorben sind. Die erste Gans hat sie schon überfahren und so begibt sie sich auf eine Reise durch Island. Im Schlepptau den kleinen gehörlosen Sohn ihrer besten Freundin Audur, auf den sie aufpassen muss, da Audur schwanger mit Zwillingen im Krankenhaus bleiben muss bis zur Geburt.

Es handelt sich eher um ein ruhiges Buch,  in dem nicht so furchtbar viel passiert. Immer wieder werden kurze Kursivtexte eingeschoben, die die Vergangenheit der Protagonistin näher beleuchten und für mich gerade das Interessante beim Lesen ausgemacht haben. Vieles wird aber bis zum Schluss nicht aufgeklärt, bestenfalls angedeutet, so bleibt sehr viel Interpretationsspielraum. Besonders auffällig beim Lesen ist, dass sich die Themen: Leben, Tod, und Geburt wie ein roter Faden sich durch das Buch ziehen. Sie nehmen einen großen Teil in den Gedanken der Protagonistin ein und werden auch in den Rückblenden und auf ihrer Reise wiederholend thematisiert.

Ich bin bei dem Buch von etwas anderem ausgegangen, ein bisschen mehr Abenteuer- oder Reiselustroman. Allerdings gab es auch schöne Stellen, in denen sich die Protagonistin durch den kleinen Tumi, mit dem Muttersein auseinandersetzt. Es ist schön zu lesen wie sie mit ihm umgeht und sich ihre Beziehung entwickelt, gerade weil sie sich für eine schlechte Mutter hält.

Ich habe aber eine größere Entwicklung bei der Hauptperson erwartet, die ich nur in Ansätzen wiederfinden konnte. Auch waren ihre Gedankengänge etwas abrupt und wirr, sodass ich öfters Schwierigkeiten hatte ihnen zu folgen.

Die Rezepte am Ende nehmen fast 40 Seiten des Romans ein, sind ganz nett, da man die vorkommenden Gerichte nachkochen kann, sind teilweise vielleicht auch einfach nur humorvoll gemeint, aber nicht so besonders, so dass man auch auf sie auch verzichten könnte.

drei

Buchvorstellung: Der japanische Liebhaber

Der japanische LiebhaberDer japanische Liebhaber

Isabel Allende

336 Seiten

Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3-518-42496-4

 

Der japanische Liebhaber erzählt die Lebensgeschichte der Alma Mendel, die als junge Jüdin in Polen lebend von ihren Eltern nach San Francisco zu ihrer Tante und ihrem Onkel Belasco geschickt wird, um dort dem Zweiten Weltkrieg zu entfliehen. Sehr schnell baut Alma bereits eine enge Beziehung sowohl zu ihrem Cousin Nathaniel als auch zu dem Gärtnersohn Ichimei auf.
Der japanische Liebhaber startet bereits mit einem interessanten Aufbau und beginnt zunächst in der Gegenwart mit der Erzählung der alten Alma Belasco. Diese zieht entgegen dem Willen ihrer Familie, in die Seniorenresidenz Lark House ein. Aufgrund ihres gesellschaftlichen Status und ihrem hohen Ansehen, stellt die alte Dame schon bald darauf die Altenpflegerin Irina als ihre persönliche Assistentin ein. Neugierig bezüglich der geheimnisvollen Kurzausflüge, die die alte Dame immer mal wieder unternimmt und der mysteriösen Briefe, die Alma erhält, versuchen Irina und ihr Enkel Seth hinter Almas Geheimnis zu kommen. Kann sich dahinter vielleicht eine heimliche Affäre erahnen?

Die fesselnsten Momente in diesem Buch waren für mich die Kapitel, in denen die alte Alma mit ihrer Reisetasche für ein paar Tage verschwindet und Irina und Seth herauszufinden versuchen, was sie in dieser Zeit wohl macht, um Almas Geheimnis zu lüften. Alma hat mir als alte Frau sehr gut gefallen. Die Art und Weise wie sie zu Beginn in Lark House einzog, fand ich sehr amüsierend, da Alma doch nicht so orthodox wirkte, wie es ihre Familie gerne hätte. So ist es ihr auch egal, was die Leute von ihr und ihrer Familie denken und macht einfach ihr Ding. In den Rückblenden finde ich die Alma in jungen Jahren jedoch zunehmend anstrengend und auch ihre naiven Einstellungen und Erwartungen in ihrer Collegezeit finde ich sehr egoistisch und verzogen. Besonders kommt dies jedoch in einer ihrer folgeschwersten Entscheidungen zur Geltung, wodurch ich ein kleines persönliches Problem mit ihr hatte.
Am besten hat mir in diesem Buch jedoch Nathaniel gefallen. Denn Nathaniel ist nicht nur ein unglaublich angenehmer Charakter, sondern hält auch noch einige überraschende Wendungen für die Geschichte bereit, sie ich so nicht erwartet hätte. Er ist der Typ Mensch, auf den man sich immer verlassen kann und der trotz seiner unerwarteten Geheimnisse eine sehr sympathische Person ist. Obwohl der Leser bereits von Anfang an weiß, dass er zum Zeitpunkt der Geschichte schon gestorben ist, haben mich die Umstände seines Todes wirklich sehr berührt.
Auch Irina und Seth waren für mich zwei äußerst liebenswerte Charaktere, zu denen ich obwohl sie eigentlich nur Nebenfiguren waren, eine enge Bindung aufbauen konnte. Ich konnte mit ihnen mitfühlen und mitleiden, wodurch sie mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Ich habe eine andere Dreierkonstellation erwartet, als ich das Buch begonnen hatte, doch was ich dann letztendlich bekommen habe, hat mir viel besser gefallen. Das Ende hatte für mich jedoch eine etwas unrealistische Stelle im Krankenhaus, die ich irgendwie unpassend fand. Ich denke, das hätte man auch anders lösen können. Allerdings vermute ich, dass die Autorin dem Leser nicht zu viel voraus nehmen wollte. Insgesamt denke ich aber, dass dieses Buch eine lesenswerte Geschichte für alle Fans von Familien- und Lebensgeschichten ist, die dazu noch einen realen historischen Hintergrund hat, ohne dabei jedoch zu geschichtlich zu werden.

vier

Buchvorstellung: Ein mallorquinischer Sommer

Ein mallorqinischer SommerEin mallorquinischer Sommer
Helen Walsh
283 Seiten
Kiepenhauer &Wirtsch Verlag
ISBN: 978-3-462-04711-0

Jen fliegt jeden Sommer mit ihrem Mann Greg nach Mallorca. Diesen Sommer jedoch scheint die Anwesenheit ihrer Stieftochter Emma und deren Freund Nathan die Harmonie der Familie in Aufruhr zu versetzen. Die ständigen Spannungen zwischen dem Teenagermädchen und Jen ist durchweg zu spüren und als Jen und Nathan sich mit der Zeit körperlich zueinander hingezogen fühlen, ist die Frage, ob die Moral oder die Begierde siegt und ob sie dies alles vor den Augen aller verbergen könnten.

Ich fand das Buch recht erfrischend und auch die erotischen Züge der Geschichte waren nicht übertrieben dagestellt und, genauso wie alle Charaktere in diesem Buch, authentisch geschildert. Dabei wurden die Sexszenen jedoch nicht zu ausufernd beschrieben. Der Fokus blieb auf den Beziehungen aller Charaktere untereinander. Die Schwierigkeiten in einer Patchworkfamilie werden genauso angesprochen wie berufliche Fehlschläge oder die sexullen Begierden einer Mid-Vierzigjährigen, die vor der Frage steht, ob sie ihre in sich verborgenen sexuellen Bedüfnisse und Sehnsüchte ausleben darf und wenn ja, welchen Preis sie eventuell dafür in Kauf nehmen müsste.
Das Buch hat ein eher offenes Ende, viele Einzelheiten werden aufgeklärt und abgeschlossen, aber andere wiederum nicht. Das muss man natürlich mögen. In diesem Fall hätte ich mir den ein oder anderen zusätzlichen Hinweis gewünscht. Ein bißchen wurde ich dabei im Regen stehengelassen. Eine andere Schwierigkeit hatte ich mit der Protagonistin. In der ersten Hälfte des Buches fand ich es doch sehr fragwürdig, wie ein gerade Volljähriger junger Mann mit einer gefestigten Frau, die mitten im Leben steht, so leicht seine Spiele treiben kann und sie sich dabei so unreif und verunsichert gibt. Diesen Teil konnte ich weniger nachvollziehen und ich war froh, als Jen wieder die Oberhand über sich selbst erlangt hat.
Insgesamt ein gut geschriebener spannender Sommerroman mit einer ganz besonderen Stimmung, der sich auf das Zusammenspiel weniger Charaktere konzentriert.freikommafünf